Die schwarz-rote Koalition hat sich laut NDR und dpa auf einen Antrag zum Bau einer umstrittenen ICE-Neubaustrecke zwischen Hannover und Hamburg geeinigt. Der Verkehrsausschuss des Bundestags soll sich bereits am Mittwoch mit dem Antrag befassen, am späten Donnerstagabend ist die Debatte im gesamten Bundestag vorgesehen.

Für die Deutsche Bahn wäre eine Zustimmung ein wichtiger Schritt: Sie könnte die Neubautrasse weiter planen. Bis Züge tatsächlich fahren, könnten allerdings noch Jahrzehnte vergehen. Frühere Planungen nannten etwa 2050 als möglichen Eröffnungstermin; der Projektbeirat Alpha-E und Bürgerinitiativen halten unter Berücksichtigung weiterer Verzögerungsrisiken sogar eine Fertigstellung erst in den 2060er-Jahren, teilweise konkret um 2063, für möglich.

109 Kilometer zwischen Vinnhorst und Meckelfeld

Der Bundestag soll feststellen, dass die Neubaustrecke zusätzliche Kapazitäten schafft, Fahrzeiten im Fern- und Nahverkehr verkürzt und einen zentralen Engpass im deutschen Schienennetz beseitigt. Vorgesehen ist eine zweigleisige, 109 Kilometer lange Strecke zwischen Hannover-Vinnhorst und Meckelfeld südlich von Hamburg.

Das Bundesverkehrsministerium empfiehlt dem Verkehrsausschuss, die sogenannte Vorzugsvariante von DB InfraGO als Grundlage der weiteren Planung zu bestätigen. Die Deutsche Bahn hatte im Juni 2025 die Ergebnisse ihrer Vorplanung vorgestellt. Als Vorzugsvariante wurde dabei eine Neubaustrecke ermittelt, die bei Celle beginnt und über Bergen und Soltau nach Meckelfeld führt. In der aktuellen Beschreibung reicht sie bis Hannover-Vinnhorst.

Die geplante Aus- und Neubaustrecke soll die Schienenkapazität erhöhen und die Fahrzeit zwischen beiden Städten verkürzen. Der Deutschlandtakt sieht zwischen Hannover Hauptbahnhof und Hamburg Hauptbahnhof 59 beziehungsweise 63 Minuten mit Halt in Hamburg-Harburg vor. Im Fahrplan 2024 dauerte die Direktverbindung über die Bestandsstrecke 74 Minuten; mit Halten in Celle, Uelzen, Lüneburg und Hamburg-Harburg waren es 89 Minuten.

Der Abschnitt Uelzen–Stelle gilt seit dem Fahrplanwechsel 2012 als überlasteter Schienenweg. Die Auslastung lag laut Bahn damals bei 126 Prozent, Ende 2023 bereits bei 147 Prozent. Die Strecke ist für Pendler ebenso wichtig wie für den Güterverkehr der norddeutschen Seehäfen.

Die Koalition verspricht zugleich wesentliche Verbesserungen an der stark belasteten Bestandsstrecke. Koalitionskreise sprechen von einer verbindlichen Zusage für den dringend benötigten Ausbau. Geplant sind unter anderem mehr Lärmschutz und Verbesserungen für den Landkreis Harburg. Niedersächsische Abgeordnete hatten auf schnelle Maßnahmen an der vorhandenen Strecke gedrängt.

Ein Projekt mit langer Vorgeschichte

Die Geschichte reicht weit zurück. Erste Überlegungen für eine schnell befahrbare zusätzliche Bahnstrecke zwischen Hamburg und Hannover gab es bei der Deutschen Bundesbahn bereits Anfang der 1960er-Jahre. Eine damals zwischen Celle und Hamburg geplante Strecke wurde nicht umgesetzt. Der Bundesverkehrswegeplan 1980 enthielt Ausbaustrecken zwischen Maschen und Lüneburg sowie zwischen Lüneburg und Lehrte, im Bundesverkehrswegeplan 1985 war eine Ausbaustrecke Maschen–Lehrte vorgesehen.

Wegen der hohen Belastung der Strecke Lehrte–Hamburg-Harburg stellte die Bahn 1992 die sogenannte Y-Trasse vor. Eine Neubaustrecke sollte Hamburg, Hannover und Bremen verbinden. Die Schnellfahrstrecke Lauenbrück–Isernhagen sollte zunächst mit bis zu 300 km/h, später aus Kostengründen mit 250 km/h befahrbar sein. Zwischen Langwedel und Visselhövede war ein zweigleisiger Ausbau der Strecke Uelzen–Langwedel für 160 km/h vorgesehen. Hinzu kam eine 17 Kilometer lange Neubaustrecke Isernhagen–Lehrte für bis zu 160 km/h, damit Güterzüge am hannoverschen Hauptbahnhof vorbeigeführt werden konnten.

Anwohner und Verbände wie der Verkehrsclub Deutschland und Pro Bahn protestierten gegen die Y-Trasse. Das 2015 tagende Dialogforum Schiene Nord empfahl schließlich, das Konzept Alpha-E weiterzuverfolgen. Es sah mehrere Ausbauten bestehender Strecken und eine Verteilung des Güterverkehrs vor, darunter einen dreigleisigen Ausbau zwischen Lüneburg und Uelzen.

Das ursprüngliche Alpha-E kam allerdings nur auf ein Nutzen-Kosten-Verhältnis von 0,6. Wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit, unzureichender Wirkung für den Nord-Süd-Verkehr und fehlender Vorteile für den Personenverkehr wurde es nicht in den Bundesverkehrswegeplan 2030 aufgenommen. Stattdessen kam das „Optimierte Alpha-E mit Bremen“ mit einem Nutzen-Kosten-Verhältnis von 1,0 in den vordringlichen Bedarf. Es enthielt das Teilprojekt ABS/NBS Hamburg–Hannover.

2016 wurde das „Optimierte Alpha-E mit Bremen“ in den Bundesverkehrswegeplan 2030 und den Bedarfsplan für die Bundesschienenwege aufgenommen. Bundestag und Bundesrat überführten die Projekte im Dezember 2016 in den Bedarfsplan des Bundesschienenwegeausbaugesetzes. Durch das Genehmigungsbeschleunigungsgesetz wurde das Vorhaben in zwei Projektbündel geteilt: Projektbündel 2 umfasst die ABS/NBS Hannover–Hamburg, Projektbündel 3 die übrigen Teilprojekte mit weiteren Maßnahmen. Die Bezeichnung „Optimiertes Alpha-E mit Bremen“ verschwand aus dem Gesetz; beide Bündel erhielten den Status eines „überragenden öffentlichen Interesses“.

Nach der Finanzierungszusage des Bundes im Dezember 2017 begannen Anfang 2018 Grundlagenermittlung und Vorplanung. Seit 2023 ist die ABS/NBS Hannover–Hamburg ein eigenständiges Projekt im Bedarfsplan. Für eine mögliche Neubaustrecke wurden Grobkorridore nach raumordnerischen und umweltfachlichen Kriterien untersucht. Der Suchraum erstreckte sich 10 Kilometer westlich der A7 bis 10 Kilometer östlich der bestehenden Bahnstrecke. Die Ergebnisse dieser Korridoruntersuchung wurden im Oktober 2021 vorgestellt.

Im Dezember 2023 legte die DB vier Varianten vor. Die blaue Variante setzte auf einen durchgängigen Ausbau der bestehenden Strecke auf vier Gleise. Die gelbe Variante war weitgehend bestandsnah und enthielt eine Neubaustrecke als Ortsumfahrung von Uelzen, die hinter Lüneburg wieder an die Bestandsstrecke anschließen sollte. Die weinrote Variante verlief überwiegend neu und autobahnparallel ab Höhe Burgwedel entlang der A7, mit Umfahrungen von Horster Dreieck und Maschener Kreuz. Die pinke Variante begann im Raum Winsen (Aller), führte zunächst entlang der B3 über eine westliche Umfahrung Bergens und verlief anschließend weitgehend parallel zur weinroten Variante.

Die pinke Variante ermöglicht zusätzlich eine Nordanbindung von Celle. Für die nördlichen Streckenanbindungen sind Verbindungen für Personenzüge über die Strecke 2200 sowie südlich des Rangierbahnhofs Maschen über die Strecke 1280 vorgesehen. Der dritte Gutachterentwurf des Deutschlandtakts sieht mindestens zwei Überholbahnhöfe für Güterzüge mit jeweils 740 Metern Nutzlänge vor; angesetzt wurden dafür jeweils rund 18 Millionen Euro.

Nach Einschätzung der DB erfüllt nur eine bestandsferne, überwiegend autobahnparallele Variante gleichzeitig die Ziele, den Engpass zu beseitigen, eine gute Betriebsqualität zu erreichen, wirtschaftlich zu bleiben und den Deutschlandtakt umzusetzen. Einen bestandsnahen Ausbau bewertete die Bundesregierung wegen der hohen Investitionskosten als nicht wirtschaftlich.

Im Juni 2025 erklärte DB InfraGO die pinke Variante zur Vorzugsvariante. Ihr Nutzen-Kosten-Verhältnis lag bei 1,02 – als einzige Variante über dem Wert von 1. Raumordnerisch wurde sie günstiger bewertet als die weinrote Variante. Die beiden bestandsnahen Varianten kamen auf Werte von unter 0,3.

Bahnhöfe, Lärmschutz und die alte Strecke

Auf der neuen Schnellfahrstrecke wird schneller Regionalverkehr nach dem Vorbild bestehender Schnellfahrstrecken in Bayern und Baden-Württemberg geprüft. Für die Vorplanung wurden Bahnhöfe in Bergen und Soltauer Heide unterstellt. Weitere mögliche Halte sind Wietzendorf, Bispingen, Evendorf und Garlstorf.

Ein Gutachten im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums ermittelte insbesondere für Soltau und Bergen ein Potenzial von mehr als 1.000 Reisenden täglich. Von Soltauer Heide aus könnte Hamburg in etwa 30 Minuten, Hannover in etwa 40 Minuten erreichbar sein. Pro Bahn fordert mehrere Regionalhalte, zwei Regionalexpress-Linien und Verbindungskur