In Fredersdorf wächst bis 2032 die neue S-Bahn-Werkstatt für 1.400 Züge
In Fredersdorf-Vogelsdorf soll eine neue S-Bahn-Werkstatt entstehen. Geplant ist sie auf einem Gleisjoch-Montageplatz – dort, wo bislang also eher montiert als gewartet wird. Der Auftrag für das Projekt ist bereits vergeben.
Bis 2032 soll das Werk fertiggestellt und in Betrieb genommen werden. Viele Einzelheiten halten Deutsche Bahn, Siemens und Stadler bislang allerdings unter Verschluss. Klar ist nur: Die neue Anlage soll die Instandhaltung der Berliner S-Bahn erweitern.
Mehr Platz für Achsen und Radscheiben
Arbeiten an Achsen und Radscheiben von Berliner S-Bahnen werden derzeit in sechs Werkstätten in und um Berlin erledigt. Ab 2032 soll Fredersdorf zusätzliche Kapazitäten schaffen. Das passt zeitlich zum großen Flottenwechsel, der sich inzwischen konkret abzeichnet.
Am 8. Juli 2026 erhielten die S-Bahn Berlin GmbH, Siemens Mobility und Stadler Deutschland den Zuschlag für die Teilnetze Stadtbahn und Nord-Süd. Das Vergabeverfahren läuft seit 2020; ein Nachprüfungsverfahren hatte die Entscheidung verzögert, anschließend verzichtete Alstom auf weitere Rechtsmittel.
Zur Stadtbahn gehören die Linien S3, S5, S7, S75 und S9. Im Nord-Süd-Netz fahren künftig S1, S2, S8, S15, S21, S25, S85 und S86. Die Ringbahn ist nicht Bestandteil der Vergabe. Eingebunden sind außerdem Verbindungen nach Potsdam, Oranienburg, Bernau, Hennigsdorf, Blankenfelde, Strausberg Nord und Wildau.
1.400 Wagen für die neuen Netze
Der Auftrag umfasst 350 Halbzüge mit jeweils vier Wagen, also insgesamt 1.400 Fahrzeuge. Siemens und Stadler entwickeln und bauen sie, während die S-Bahn Berlin weiterhin den Betrieb übernimmt und eine zentrale Rolle bei der Instandhaltung behält. Die neuen Züge ersetzen schrittweise die Baureihen 480 und 481 auf den ausgeschriebenen Linien.
Anfang 2032 sollen Betriebsaufnahme und Einflottung beginnen. Bis 2038 ist die vollständige Einflottung vorgesehen. Frühere Pläne, im Juni 2029 auf der Stadtbahn und im Juni 2030 im Nord-Süd-Netz zu starten, sind wegen der Vergabeverzögerungen und des höheren Zeitbedarfs für neue Werkstätten entfallen.
Die neue Fahrzeuggeneration soll vollständig klimatisiert sein und moderne Fahrgastinformationssysteme bekommen. Vorgesehen sind außerdem automatische Schiebetritte für einen barriereärmeren Einstieg, Videotechnik und verbindliche Vorgaben zum Lärmschutz. Bestehende Werkstätten, darunter Schöneweide, werden für die neue Flotte umgebaut. In Fredersdorf-Vogelsdorf entsteht zusätzlich ein neues Instandhaltungswerk.
Bis die Züge tatsächlich rollen, ist noch einiges zu tun: Fahrzeuge müssen entwickelt, zugelassen und produziert werden. Parallel laufen die Werkstattumbauten, der Neubau in Fredersdorf-Vogelsdorf und die Vorbereitung einer gemeinsamen Steuerungs- und Dispositionszentrale. Ob die vollständige Inbetriebnahme zwischen 2032 und 2038 klappt, hängt davon ab, ob diese Schritte rechtzeitig fertig werden.
Neue Eigentümerin, neue Leitstelle
Nach der Abnahme wird die Landesanstalt Schienenfahrzeuge Berlin, kurz LSFB, Eigentümerin der neuen Züge. Sie überwacht die Fahrzeugentwicklung, den Bau und Umbau der Werkstätten sowie später die Qualität der Instandhaltung. Die Verkehrsunternehmen erhalten die Züge zur Nutzung. Dieses Eigentumsmodell soll verhindern, dass der Betrieb dauerhaft an ein einzelnes Bahnunternehmen gebunden ist.
Zusätzlich ist eine gemeinsame Steuerungs- und Dispositionszentrale geplant. Dort sollen ab Anfang der 2030er Jahre Beschäftigte des Infrastrukturbetreibers und des Verkehrsunternehmens zusammenarbeiten. Berlin, Brandenburg und DB InfraGO wollen bei Störungen schneller reagieren und Informationen besser koordinieren – gerade dann, wenn irgendwo morgens gar nichts mehr geht und die Telefone heißlaufen.
Das Nachprüfungsverfahren zur S-Bahn-Ausschreibung SBSNS-II scheint inzwischen abgeschlossen. Die Vergabekammer Berlin wies den Nachprüfungsantrag am 12. Juni 2026 zurück. Alstom Transportation Germany bestätigte, bis zum Ablauf der Rechtsmittelfrist am 28. Juni 2026 um 24 Uhr keine Beschwerde einzulegen. Damit konnte der Zuschlag an das Konsortium aus Siemens Mobility, Stadler Deutschland und der S-Bahn Berlin GmbH erteilt werden.
Verkehrssenatorin Ute Bonde bezeichnete die Entscheidung als wichtigen Schritt für eine moderne und zuverlässige S-Bahn-Flotte in Berlin und Brandenburg. S-Bahn-Berlin-Chef Heiko Büttner erklärte, die Partner wollten die über 100-jährige Geschichte der Berliner S-Bahn fortsetzen. Nach seinen Angaben sollen dadurch auch künftig Tausende Arbeitsplätze in der Hauptstadtregion gesichert werden.
Der Beschaffungsprozess für die neuen Fahrzeuge soll nun unmittelbar beginnen. Für die täglich hunderttausenden Fahrgäste soll das Netz mit den neuen Zügen moderner und leistungsfähiger werden. In Fredersdorf-Vogelsdorf bekommt dieser große Plan jedenfalls einen ganz konkreten Ort: einen Gleisjoch-Montageplatz, auf dem bis 2032 eine Werkstatt wachsen soll.
Quelle: Märkische Oderzeitung
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