Kupferdiebe reißen TuS Köln-Ehrenfelds Neubau am Takupark um drei Wochen zurück
Ein Einbruch hat die Rohbau-Baustelle des neuen Vereinsheims von TuS Köln-Ehrenfeld am Takupark schwer getroffen. Unbekannte drangen in der Nacht vom 28. auf den 29. September 2026 in das Gebäude ein und rissen sämtliche frisch verlegten Elektrokabel aus den Wänden. Material nahmen sie ebenfalls mit. Offenbar ging es ihnen um das enthaltene Kupfer.
Zusätzlich beschädigten die Täter vorbereitete Installationen für die künftige Heizungs- und Sanitärversorgung. Der Gesamtschaden wird auf mehr als 40.000 Euro geschätzt. Der reine Materialwert der gestohlenen Kabel liegt dagegen bei rund 2.000 Euro – der große Rest entsteht durch die Arbeit, die nun noch einmal gemacht werden muss.
Drei Wochen Arbeit zunichtegemacht
Zwei Arbeiter hatten etwa drei Wochen gebraucht, um rund 120 bis 130 Kabel an der Decke zu verlegen, anzuschließen und zu beschriften. Diese Arbeiten wurden vollständig zunichtegemacht. Für den Verein ist das ein harter Rückschlag, denn am Neubauprojekt wird bereits seit vier Jahren gearbeitet.
Der eigentliche Bau begann Anfang 2026 mit Landes- und städtischer Förderung. Nun muss TuS Köln-Ehrenfeld Installationen wiederherstellen und den weiteren Ablauf neu organisieren. Die Polizei hat Ermittlungen aufgenommen. Ob ein Zusammenhang mit einem früheren Kupferdiebstahl an E-Ladestationen in der Umgebung besteht, ist bislang unbestätigt.
Der Verein bittet Anwohner, Spaziergänger und Parkbesucher um Hinweise zu auffälligen Personen, Fahrzeugen oder sonstigen Beobachtungen in der Tatnacht. Meldungen können an die Polizei oder direkt an TuS Köln-Ehrenfeld unter info@tus-ehrenfeld.de gehen. Außerdem läuft eine GoFundMe-Spendenaktion, mit der Reparaturen und die Fortführung des Neubaus unterstützt werden sollen.
Kupferdiebstahl trifft auch die Ladeinfrastruktur
Der Fall am Takupark passt zu einer Entwicklung, die Köln seit Monaten beschäftigt. An E-Auto-Ladesäulen werden zunehmend Ladekabel gestohlen; die Polizei registriert inzwischen einen deutlichen Anstieg im zweistelligen Fallbereich. Im Visier der Täter stehen vor allem die CCS-Kabel von Schnellladestationen – genauer gesagt das Kupfer darin.
Der Schrottwert dieses Kupfers liegt bei etwa 50 Euro. Für Betreiber fällt die Rechnung deutlich höher aus: Reparaturen, entgangene Einnahmen und die anschließende erneute Eichung der Schnellladesäulen verursachen Schäden von mehreren Tausend Euro pro Fall. Beschädigte Stationen sind für Nutzer häufig mehrere Tage oder sogar Wochen nicht nutzbar.
Die TankE GmbH, ein Tochterunternehmen der RheinEnergie, betreibt in Köln mehr als 1.100 öffentliche Ladepunkte und bestätigt die zunehmenden Kabeldiebstähle. Ihren Gesamtschaden beziffert das Unternehmen inzwischen auf einen sechsstelligen Betrag. Auch in Bonn und weiteren Städten in Nordrhein-Westfalen werden Kabeldiebstähle an der Ladeinfrastruktur häufiger zum Problem.
Kölner Betreiber wollen Schnellladesäulen künftig besser gegen Diebstahl und Vandalismus schützen. TankE steht dazu mit Herstellern im Austausch, unter anderem über robustere Bauweisen. Beobachtete Kabeldiebstähle sollen Anwohner schnell der Polizei melden. Die Stadt Köln kündigte außerdem ein Gutachten zur Ladeinfrastruktur an. Bis 2035 sollen alle Kölner Veedel in Zusammenarbeit mit verschiedenen Anbietern ausreichend mit Ladesäulen ausgestattet werden.
Wenn aus Kabeln eine monatelange Verzögerung wird
Baustellendiebstähle können Arbeiten unterbrechen, Folgegewerke blockieren und Inbetriebnahmen verzögern. Besonders anfällig sind Infrastruktur-, Energie- und Ausbauprojekte. Laut BauWatch Crime Report 2026 berichten 67 Prozent der deutschen Befragten von zunehmender Baustellenkriminalität.
Kupfer, Kabel und Kabeltrommeln gehören in Deutschland zu den häufigsten Diebstahlzielen. Das Material ist wertvoll, transportabel, leicht auszubauen und schnell weiterzuverkaufen. Während vieler Bauphasen liegen Kabel, Leitungen und Kabeltrommeln offen auf dem Gelände und werden erst später fest verbaut. Deutschland liegt beim Kupferdiebstahl 8,1 Prozentpunkte und beim Kabeldiebstahl 12,7 Prozentpunkte über dem europäischen Durchschnitt.
Nach einem Diebstahl geht es längst nicht nur um Ersatzmaterial. Zuerst muss geklärt werden, was genau fehlt, anschließend folgen Nachbestellung, Lieferung und erneute Montage. Dazu kommen Prüfungen, neue Freigaben und die Koordination der nachfolgenden Gewerke. Besonders weitreichend sind die Folgen, wenn Kabel bereits teilweise verlegt sind oder eine Anlage kurz vor der Inbetriebnahme steht.
Bei 19,2 Prozent der betroffenen Projekte dauern Verzögerungen laut Crime Report länger als einen Monat. 33,6 Prozent der Befragten berichten von Budgetüberschreitungen. Am höchsten ist das Risiko nach Materiallieferungen, während der Rohinstallation sowie vor Wochenenden und Feiertagen. Dann liegen Kupfer, Kabel, Leitungen und Werkzeuge oft gut erreichbar auf dem Gelände, während außerhalb der Arbeitszeiten kein Personal vor Ort ist.
Schutz beginnt schon vor der Anlieferung
Auch provisorische Lagerflächen und Außenlager sollten besonders geschützt werden. Verschlossene Container sichern zwar gelagertes Material, aber nicht das gesamte Gelände. Auf weitläufigen Baustellen kommen mehrere Zufahrten, wechselnde Subunternehmer und frei zugängliche Außenlager als zusätzliche Risikofaktoren hinzu.
Vor der Anlieferung sollte feststehen, welches Material wann kommt, wo es gelagert wird, wer Zugriff erhält und wie lange es unverbaut bleibt. Kleinere, bedarfsgerechte Liefermengen können das Diebstahlrisiko senken. Bauzäune, Beleuchtung und verschließbare Lagerflächen bilden die grundlegende Sicherung, reichen allein aber nicht aus. Der Einsatz von Baustellenzäunen ist in Deutschland laut Crime Report gegenüber dem Vorjahr um 13,4 Prozentpunkte zurückgegangen.
Mit steigendem Materialwert und längerer Lagerdauer wird die Kombination aus physischer Sicherung und technischer Überwachung wichtiger. Mobile Videotechnik kann – je nach Baufortschritt – Materiallager, Zufahrten und Kabeltrassen überwachen und bei Bedarf umgesetzt werden. Für Standorte ohne Netzstrom stehen stromautarke Lösungen wie BauWatch Solar und BauWatch Scout zur Verfügung.
Auffällige Bewegungen werden an eine rund um die Uhr besetzte Notruf- und Serviceleitstelle übermittelt. Dort wird ein Alarm zunächst geprüft. Bei bestätigten Vorfällen können Lautsprecherdurchsagen erfolgen, Verantwortliche werden informiert und Sicherheitsdienst oder Polizei alarmiert.
Für Kupfer empfiehlt die Materialrisiko-Tabelle, Lieferzeitpunkte zu planen, Lager- und Einbauzonen zu sichern und die Zeit vor dem Einbau sichtbar zu überwachen. Kabel und Kabeltrommeln sollten nicht unnötig lange im Freien liegen; Zufahrten und Lagerflächen gehören überwacht, Bestände sollten vor Wochenenden geprüft werden.
Bei Rohren und Leitungen helfen festgelegte Lagerorte, begrenzte Zufahrten und eine technische Absicherung besonders gefährdeter Zeitfenster. Für kleine Werkzeuge sind Ausgaberegeln und eine Inventarisierung sinnvoll, kombiniert mit sicherer Rücklagerung und Geländeüberwachung. Stahl und sonstige Metalle sollten nicht ungesichert am Geländerand lagern; Anlieferungen und Abholungen gehören dokumentiert.
