MEKO A-200 DEU: Wie TKMS aus einem modularen Baukasten acht deutsche Fregatten plant
Berlin blickt auf acht neue Fregatten: Medienberichten zufolge erwägt die Bundesregierung, insgesamt acht Schiffe des Typs MEKO A-200 durch TKMS bauen zu lassen. Am heutigen 6. Oktober 2026 berät der Haushaltsausschuss des Bundestages über die Einlösung einer bestehenden Option für vier zusätzliche Einheiten.
Für diese vier Schiffe werden rund 5,3 Milliarden Euro veranschlagt. Gibt der Ausschuss die Mittel frei, wäre die Beschaffung von acht MEKO-A-200-Fregatten parlamentarisch abgesichert. Nach dem Ende des Projekts F126 soll die neue Klasse als MEKO A-200 DEU beziehungsweise Fregatte 128 geführt werden. Der Zulauf der ersten Einheit ist für Dezember 2029 vorgesehen.
Milliardenentscheidung und ein offener Streit
Parallel sorgt ein anderer Rüstungsstreit für Schlagzeilen. Das niederländische Unternehmen Damen Schelde Naval Shipbuilding fordert laut Berichten rund 4,7 Milliarden Euro von der Bundesrepublik Deutschland. Dabei geht es um Zahlungs- und Freistellungsansprüche im Zusammenhang mit dem beendeten Rüstungsprojekt F126. TKMS ist in diesem Verfahren nicht Anspruchsgegner.
Auch international tastet sich TKMS an neue Kooperationen heran. Am 25. September unterzeichneten TKMS und die EDGE Group in München eine Absichtserklärung. Geprüft werden sollen gemeinsame Einsatzmöglichkeiten für die Unterwasserüberwachung und den Schutz kritischer maritimer Infrastruktur. Einen verbindlichen Lieferauftrag vereinbarten die Unternehmen dabei ausdrücklich nicht.
An der Börse kam die Nachricht gut an, zumindest ein Stück weit: Die TKMS-Aktie schloss am Montag bei 80,50 Euro, im vorbörslichen Handel am Dienstag waren es 81,40 Euro. Seit Jahresbeginn legte der Aktienkurs laut Artikel um 23 Prozent zu.
Was hinter MEKO 200 steckt
Die MEKO 200 wurde nach den Baureihen MEKO 140 und MEKO 360 entwickelt. Sie sollte die Lücke zwischen kleineren Fregatten und kleinen Zerstörern schließen. Ihr Grundgedanke: ein modularer Aufbau, der Anpassungen an die Anforderungen des jeweiligen Kunden erlaubt. Das erste Schiff war die türkische Yavuz, die am 17. Juli 1987 ausgeliefert wurde. Bis 2008 entstanden 28 weitere Schiffe mit unterschiedlichen Systemen und Konfigurationen.
Die geplante deutsche Variante soll einen Schwerpunkt auf die U-Jagd legen. Laut Presseschätzungen wird sie länger als bisherige MEKO-200-Schiffe; die geschätzten Kosten liegen bei rund 1,6 Milliarden Euro pro Schiff. Wie die deutsche Fassung im Detail aussehen wird, ist damit noch nicht vollständig beschrieben. Der Name steht jedenfalls schon im Raum: Fregatte 128.
Von der türkischen Yavuz bis zur Barbaros-Klasse
Der Vertrag für das erste Los der MEKO 200 TN, „Track I“, wurde im April 1983 mit der Türkei geschlossen. Zwei Schiffe entstanden bei Blohm + Voss in Hamburg und HDW in Kiel, zwei weitere bei der Marinewerft Gölcük. Die Track-I-Schiffe erhielten einen CODAD-Antrieb mit vier MTU-20V-Dieselmotoren.
Anfang der 1990er Jahre bestellte die Türkei vier weitere Schiffe der Barbaros-Klasse, bekannt als „Track II“. Diese Einheiten bekamen einen CODOG-Antrieb mit zwei MTU-16V-Dieselmotoren und zwei LM2500-30-Gasturbinen. Bei voller Beladung verdrängen sie 3.350 ts, erreichen mehr als 31 Knoten und tragen ein Mk-48-VLS anstelle des Sea-Sparrow-Starters.
Ausgelegt waren die Fregatten für den Überwasserkampf. Ihre Flugabwehr- und U-Jagd-Fähigkeiten blieben begrenzt, dafür wurde eine starke Sea-Zenith-CIWS-Anlage eingebaut. Die Modernisierung läuft in zwei Wellen: Zunächst wird das BAE-Systems-AWS-9-Überwachungsradar auf allen vier Einheiten durch Thales Smart-S Mk 2 ersetzt. Auf den ersten beiden Track-IIA-Schiffen kommen zusätzlich Mk-41-VLS an die Stelle der Mk-29-Sea-Sparrow-Starter.
In einer zweiten Phase werden die übrigen Radare, die elektronische Kampfführung, das Sonar und das Nahbereichsverteidigungssystem ausgetauscht. Havelsan und Aselsan erhielten dafür 2018 die Hauptaufträge. Das Smart-S-Radar wandert auf einen neuen vorderen Mast. Darunter sitzen beidseitig die Antennen des elektronischen Kampfsystems ARES-2NC; auf einem neuen hinteren Mast wird das MAR-D-Luftradar mit elektronischer Strahlschwenkung montiert.
Die türkischen Einheiten sind 116,72 Meter lang, bei F246 und F247 118 Meter, und 14,80 Meter breit. Der Tiefgang beträgt 4,25 Meter. Die Verdrängung liegt bei 3.100 ts, voll geladen bei 3.450 ts. Je nach Ausführung erreichen die Schiffe 27 beziehungsweise mehr als 31 Knoten und kommen bei 20 beziehungsweise 22 Knoten rund 4.000 Seemeilen weit.
Zur Elektronik gehören das DA-08/1S-Luftabwehrradar, die WM-25-Feuerleitanlage, das TM-1226-Navigationsradar, das STACOS-TU/FD-Kommando- und Kontrollsystem, das WM25-/COSYS-DDWCS-Feuerleitsystem, das DE1160-Sonar, Link 11/Link 14 und das MCS2002-Kommunikationssystem.
- F240 Yavuz Sultan Selim I / Yavuz: Blohm + Voss; Kiellegung 30. Mai 1985; Stapellauf 11. Oktober 1987; aktiv.
- F241 Turgut Reis: HDW; Kiellegung 17. Juli 1987; Stapellauf 4. Februar 1988; aktiv.
- F242 Fatih Sultan Mehmed II / Fatih: Marinewerft Gölcük; Kiellegung 24. April 1987; Stapellauf 12. Oktober 1988; aktiv.
- F243 Yilderim / Sultan Bayezid I: Marinewerft Gölcük; Kiellegung 22. Juli 1988; Stapellauf 17. November 1989; aktiv.
- F244 Barbaros Hayreddin / Barbarossa: Blohm + Voss; Kiellegung 29. September 1993; Stapellauf 23. Mai 1997; aktiv.
- F245 Oruc Reis / Oruç Reis: Marinewerft Gölcük; Kiellegung 28. Juli 1994; Stapellauf 23. Mai 1997; aktiv.
- F246 Salih Reis: Blohm + Voss; Kiellegung 26. September 1997; Stapellauf 22. Juli 1998; aktiv.
- F247 Kemal Reis: Marinewerft Gölcük; Kiellegung 24. Juli 1998; Stapellauf 8. Juni 2000; aktiv.
Viele Varianten, ein Baukasten
Die ANZAC-Klasse basiert ebenfalls auf der MEKO 200 und wurde von Blohm + Voss für Australien und Neuseeland entworfen. 1989 wurde der Bau von zehn Schiffen vereinbart: acht für Australien, zwei für Neuseeland. Die Schiffe entstanden modular in Australien und Neuseeland, die Endfertigung übernahm Tenix Defence Systems in Williamstown, Victoria. HMAS Anzac, das erste Schiff, lief am 16. September 1994 vom Stapel; HMAS Perth, das letzte, am 20. März 2004.
Für Griechenland wurden 1988 vier MEKO 200 HN bestellt. Die erste Einheit, Hydra, entstand bei Blohm + Voss in Hamburg, die drei weiteren bei Hellenic Shipyards in Chaidari. Während der Werfterprobung wurde die Hydra durch einen Brand schwer beschädigt und erst 1993 endgültig übernommen. Finanzielle Probleme Griechenlands verzögerten den Bau der drei weiteren Schiffe.
Die griechischen Fregatten erhielten verbesserte Schockdämpfung, voneinander unabhängige Kommunikations- und Waffensysteme sowie zwölf wasserdichte, unabhängige Sektionen. Nach Spannungen mit der Türkei im östlichen Mittelmeer im Juli, August und September 2020 wurde ein Modernis
