Die geplante Rad- und Fußgängerbrücke über die Warnow wird für Rostock voraussichtlich deutlich teurer als gedacht. Laut Verwaltungsunterlagen liegt das Gesamtbudget für Bau und Planung inzwischen bei rund 98 Millionen Euro. Noch im Februar waren 63 Millionen Euro veranschlagt worden. Macht 35 Millionen Euro mehr – und gegenüber dem ursprünglichen Planungsbeginn haben sich die erwarteten Kosten damit mehr als verdoppelt.

Für das Projekt läuft die Zeit davon. Die beteiligten Bieter sind nur bis Ende November an ihre Angebote gebunden. Die Verwaltung hat deshalb beim Bund weitere Fördermittel beantragt; über den Antrag entscheidet der Haushaltsausschuss des Bundestages am 12. November. Anschließend soll eine Sondersitzung der Rostocker Bürgerschaft stattfinden. Die endgültige Entscheidung über den Bau ist voraussichtlich für den 26. November 2026 vorgesehen.

613 Meter über die Warnow

Geplant ist eine rund 613 Meter lange Brücke für Fußgänger und Radfahrer. Sie soll die Innenstadt beziehungsweise den Stadthafen mit Gehlsdorf verbinden – vom Fährberg in Gehlsdorf bis zum Stadthafen am Liegeplatz 83E. In anderen Planungsangaben ist von 540 Metern die Rede. Vorgesehen sind sechs Meter Breite, eine Verbindung mit der Radfernroute Berlin–Kopenhagen und eine Durchfahrt für kleine Schiffe.

Für größere Schiffe soll nahe der Kaikante des Stadthafens ein etwa 25 Meter breites Klappelement eingebaut werden. Das Vergabeverfahren umfasst vor allem Stahl- und Betonbauarbeiten, die technische Ausrüstung, den Klappmechanismus und die Beleuchtung. Die Wegeanbindungen gehören nicht zur Ausschreibung.

Auftraggeberin ist die Rostocker Gesellschaft für Stadterneuerung, Stadtentwicklung und Wohnungsbau mbH, kurz RGS. Ende Juli lief die Frist für die Abgabe der Bauangebote ab. Wie viele Unternehmen sich beteiligt haben, woher sie kommen und wer genau dahintersteht, wird wegen des noch laufenden Vergabeverfahrens nicht veröffentlicht. Die Angebote werden derzeit geprüft und anhand festgelegter Zuschlagskriterien bewertet.

Fördergeld, Festpreis und politische Bedingungen

Ursprünglich wurden die Kosten mit 62,8 Millionen Euro angegeben. Der Bund sollte davon 35,7 Millionen Euro übernehmen; inzwischen ist von etwa 36 Millionen Euro Bundesförderung die Rede. Nach Angaben der Stadt hält der Bund bislang an seinen Förderzusagen fest. Rostock hofft dennoch auf zusätzliche Mittel – und genau darauf richtet sich auch der Blick der Kommunalpolitik.

Bündnis 90/Die Grünen/Volt unterstützt den Bau weiterhin. Die Fraktion verweist darauf, dass die Stadt für ein Projekt am Stadthafen zehn Millionen Euro weniger eigene Mittel benötigt habe als geplant. Dieses Geld könne für die Brücke eingesetzt werden.

Auch der AfD-Fraktionsvorsitzende Michael Meister sprach sich grundsätzlich für das Vorhaben aus. Die AfD wolle aber nur zustimmen, wenn der Bund zusätzliche Mittel bereitstellt und die Stadtkasse nicht weiter belastet wird.

Die Fraktion FDP/Unabhängige befürwortet den Bau ebenfalls. Julia Kristin Adler fordert Kostensicherheit; ein Festpreis könne aus ihrer Sicht weitere Steigerungen und Nachträge begrenzen. Zugleich verwies sie darauf, dass eine technisch anspruchsvolle Brücke entsprechend teuer sei. Künftig müsse allerdings früher hinterfragt werden, wie detailliert eine Planung zu diesem Zeitpunkt wirklich sein müsse.

Falls die Bürgerschaft am 26. November zustimmt, sollen die Bauaufträge noch in diesem Jahr vergeben werden. Der Baustart ist für das erste Quartal 2027 vorgesehen. Andere Planungsangaben nennen den Zuschlag und den Baubeginn im Herbst 2026 – ebenso wird dort ein Abschluss für 2028 erwartet. Das Planfeststellungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen; der Planfeststellungsbeschluss wird ebenfalls für Herbst 2026 erwartet.

Zwischen Wahrzeichen und Haushaltsdruck

Die Stadt sieht derzeit keine Anhaltspunkte dafür, dass die Realisierung grundsätzlich infrage steht. Gleichzeitig liegen die Angebote der Bauunternehmen laut Stadt mehr als 50 Prozent über der ursprünglichen Planung. Verwaltung, Planer und Baufirmen prüfen deshalb Möglichkeiten, die Kosten zu reduzieren. Die ursprünglich genannte Perspektive sah einen Baubeginn im Herbst 2026 und eine Fertigstellung spätestens 2030 vor.

Der Bund der Steuerzahler Mecklenburg-Vorpommern fordert, das Projekt zu stoppen, und nennt die Brücke ein „Millionengrab“. Bereits 2020 wurde sie als möglicher Verschwendungsfall in das Schwarzbuch des Steuerzahlerbundes aufgenommen; auch in der am 1. Oktober veröffentlichten neuen Ausgabe ist sie wieder enthalten.

Der Einwand trifft auf eine angespannte Finanzlage. Rostock musste im vergangenen Jahr Kredite aufnehmen, um Gehälter und Weihnachtsgeld zu finanzieren. Nach Angaben des Artikels sind bereits etwa 3,5 Millionen Euro an Steuergeldern in die Brückenplanung geflossen. Der Steuerzahlerbund nennt als weitere Investitionsbereiche den Hochwasserschutz, Radwege, die Sanierung der Neptunschwimmhalle, der Eishalle und von Schulen. Gleichzeitig hält Rostock am Neubau des Volkstheaters als weiterem Millionenprojekt fest.

Die Stadt selbst beschreibt die Warnowbrücke als städtebauliches Highlight und mögliches neues Wahrzeichen Rostocks. Auf der einen Seite stehen also die Aussicht auf eine markante Verbindung zwischen Innenstadt, Stadthafen und Gehlsdorf und eine Lücke auf der Berlin–Kopenhagen-Route. Auf der anderen liegen neue Zahlen auf dem Tisch, bei denen selbst erfahrenen Haushältern kurz der Atem stocken dürfte.