Sechs Milliarden Pfund für Großbritanniens neue U-Boot-Fabriken
Großbritannien steckt rund 6 Milliarden Pfund in den Ausbau seiner U-Boot-Industrie. Im Mittelpunkt stehen die BAE-Systems-Werft in Barrow-in-Furness und die Reaktoranlagen von Rolls-Royce. Die Rechnung dahinter ist klar: Die britische U-Boot-Produktion soll sich verdoppeln, damit die Fertigung der neuen SSN-AUKUS-Boote 2027 anlaufen kann.
BAE Systems soll die atomgetriebenen Jagd-U-Boote in Barrow bauen. Wie groß die britische Flotte am Ende wird, ist allerdings noch offen. Die Regierung will die Zahl vor dem Abschluss der Entwurfsphase im Jahr 2028 festlegen. Der erste Stahlschnitt ist für 2027 vorgesehen; das erste Boot soll laut Royal Navy Ende der 2030er-Jahre in Dienst gehen und die Astute-Klasse ersetzen.
Mehr Platz, mehr Tempo in Barrow
Geplant ist nicht bloß eine größere Halle hier und ein zusätzliches Gerät dort. Barrow soll mit digitalen Entwurfssystemen, moderner Fertigungstechnik und zusätzlichen Ausbildungskapazitäten für Arbeitskräfte erweitert werden. Nach dem Ende laufender Bauprogramme soll der Werftausbau den Übergang zur Serienproduktion der nächsten U-Boot-Generation ermöglichen. Dauerhaft ist ein Angriffs-U-Boot alle 18 Monate vorgesehen – und zwar parallel zum Bau der Dreadnought-Flotte mit ballistischen Raketen.
Das Programm befindet sich laut dem Parlamentsbericht Defence Nuclear Enterprise 2026 Annual Update to Parliament in der Phase „Detailed Design and Long Lead“. Für Konstruktionsarbeiten und die nötige Produktionsinfrastruktur wurden bereits Verträge im Wert von rund 4 Milliarden Pfund vergeben. Anfang 2026 wurde außerdem der Konzeptentwurf für SMITE2 abgeschlossen, eine Anlage zur Erprobung von U-Boot-Antrieben. Am Ramsden Dock laufen vorbereitende Arbeiten weiter.
In Barrow arbeiten unter der derzeitigen Regierung inzwischen mehr als 1.800 Menschen zusätzlich im Bereich der nuklearen U-Boote. Ein zehnjähriger Transformationsplan ist in Umsetzung. Dazu gehört auch ein neuer Universitätscampus, den BAE Systems und die University of Cumbria gemeinsam eröffnet haben. Nachwuchs, der nicht nur zuschaut, sondern später tatsächlich an den Booten arbeitet – darum geht es.
Rolls-Royce baut derweil seinen Standort Raynesway nahe Derby aus. Dort hat der Bau der „Primary Components and Operations Facility“ begonnen, außerdem fließen Mittel in Prototypen-Infrastruktur und die Erschließung des Standorts. Raynesway soll die Reaktoren für alle SSN-AUKUS-U-Boote fertigen, auch für jene Boote, die für Australien gebaut werden.
Australien will über zehn Jahre 2,4 Milliarden Pfund in den Ausbau der Rolls-Royce-Infrastruktur investieren und sich an den Entwicklungskosten des U-Boots beteiligen. Zugleich unterstützt die britische Regierung Zulieferer aus Antriebstechnik, elektrischen Schaltanlagen und Präzisionsfertigung. Die Kapazitäten sollen wachsen, Lieferketten stabiler werden, bevor die Fertigung wirklich hochfährt. Das klingt weniger spektakulär als ein Stahlschnitt, ist aber für das Ganze entscheidend.
Eine neue Klasse für AUKUS
SSN-AUKUS, auch SSN-A oder Aukus-Klasse genannt, ist eine geplante Klasse atomgetriebener Jagd-U-Boote. Sie gehört zum Sicherheitsbündnis AUKUS zwischen Australien, dem Vereinigten Königreich und den USA. Ein Schwerpunkt des Bündnisses ist die Unterstützung Australiens beim Aufbau einer konventionell bewaffneten, nuklear angetriebenen U-Boot-Flotte.
Im Vereinigten Königreich sollen die Boote die Astute-Klasse ersetzen, in Australien die Collins-Klasse. Die ersten britischen Einheiten werden Ende der 2030er-Jahre erwartet, die ersten australischen Boote Anfang der 2040er-Jahre. Ab 2030 soll alle 18 Monate ein neues U-Boot gebaut werden – bei BAE Systems in Barrow-in-Furness, mit Beteiligung des Rolls-Royce-Werks in Raynesway, das die Kernreaktoren für den Antrieb herstellt.
Für Australien bestimmte Kernreaktoren und das Brennmaterial sollen im Vereinigten Königreich gefertigt beziehungsweise bereitgestellt und anschließend nach Australien geliefert werden. Die australischen Boote entstehen auf der Osborne Naval Shipyard durch die Australian Submarine Corporation, kurz ASC. Das Vereinigte Königreich plant, bis zu zwölf atomgetriebene Jagd-U-Boote der SSN-AUKUS-Klasse in Dienst zu stellen.
BAE Systems und Rolls-Royce sollen dafür mit Babcock und dem britischen Verteidigungsministerium in einer geplanten „Submarine Production Alliance“ zusammenarbeiten. Die Allianz soll U-Boot-Bau und Reaktorproduktion mit langfristiger Wartung und Unterstützung am Standort Devonport verbinden. Ein ziemlich langer Atem ist nötig – bei solchen Projekten wird nicht einfach am Freitag aufgedreht und am Montag ist alles fertig.
Aktuelle Aufträge und ein Blick auf die Börse
Wie der Ausbau in der Praxis aussieht, zeigt die HMS Agamemnon. Das U-Boot der Astute-Klasse verließ am vergangenen Freitag die Werft zu seiner ersten Fahrt auf offener See. Vor der Übergabe an die Royal Navy stehen die vorgeschriebenen Seeerprobungen an – draußen, unter echten Bedingungen, nicht nur auf dem Papier.
Auch außerhalb des britischen U-Boot-Programms meldet BAE Systems neue Geschäfte. BAE Systems Maritime Australia vergab am vergangenen Mittwoch einen Auftrag über 83 Millionen US-Dollar an das tasmanische Unternehmen CBG Systems. Geliefert werden Isolierungen, Verkleidungen und Befestigungen für die ersten drei Hunter-Klasse-Fregatten.
Am Donnerstag erhielt BAE Systems von Babcock Land Defence im Auftrag des britischen Verteidigungsministeriums einen vierjährigen Rahmenvertrag. Er umfasst Waffenkomponenten für Artillerie und gepanzerte Fahrzeuge, einschließlich Unterstützung für das 105-Millimeter-Leichtgeschütz. Das finanzielle Gesamtvolumen wurde nicht bekannt gegeben.
In den USA schloss BAE Systems am 21. September die Critical Design Review für ein militärisches Raumfahrtprogramm ab. Das 1,2 Milliarden US-Dollar schwere Satellitenprogramm der U.S. Space Force dient der Raketenwarnung und -verfolgung im mittleren Erdorbit. Nach der abgeschlossenen Entwurfsprüfung kann es in die nächste Produktionsphase übergehen.
Die BAE-Systems-Aktie notierte am Vortag bei 104,40 US-Dollar und lag seit Jahresbeginn 14 Prozent im Plus. Parallel setzte das Unternehmen sein laufendes Aktienrückkaufprogramm fort. Auf den Werften riecht es derweil eher nach Metall, Farbe und Maschinenöl als nach Börsenparkett – die beiden Welten laufen trotzdem erstaunlich eng nebeneinander.
