Abu Dhabis 56-Milliarden-Dollar-Pipeline trifft in München auf internationale Infrastrukturpartner
Abu Dhabi kommt mit einer gewaltigen Pipeline nach München: Bei der EXPO REAL 2026 präsentiert das Emirat erstmals ein eigenes Infrastrukturprogramm. Mehr als 56 Milliarden US-Dollar stehen im Raum – und gesucht werden Partner, die daraus konkrete Projekte machen können.
Vom 5. bis 7. Oktober 2026 veranstaltet das Abu Dhabi Projects and Infrastructure Centre (ADPIC) dort die ADIS International Roadshow 2026. Im Gepäck: laufende Vorhaben und Entwicklungsprioritäten in den Bereichen Wohnungsbau, Verkehr, Kultur, Bildung und soziale Infrastruktur. Für die Delegation geht es nicht bloß um Visitenkarten und Messetermine. Sie will internationale Investoren und Finanzierer, Entwickler und Bauunternehmen, Ingenieur- und Technologiepartner sowie Betreiber und Anbieter technischer Dienstleistungen ansprechen.
Eine Pipeline für viele Fachrichtungen
Zur hochrangigen Delegation gehören Vertreter des Department of Municipalities and Transport (DMT), der Abu Dhabi Housing Authority (ADHA) und des Abu Dhabi Investment Office (ADIO). Mit dabei sind außerdem Aldar, Bloom Holding, LEAD Development, Modon und Trojan Construction.
Gesucht wird Know-how für fortschrittliches Ingenieur- und Bauwesen, Industrietechnologien, innovative und fortschrittliche Baustoffe, modulares sowie industrialisiertes Bauen und technische Dienstleistungen. Auch Lösungen für die langfristige Leistungsfähigkeit von Anlagen stehen auf der Liste. Dazu kommen künstliche Intelligenz und datenbasierte Planung für die Umsetzung großer Projekte, digitale Zwillinge und intelligente Infrastruktur. Klingt trocken? Ist es in der Praxis nicht: Solche Technologien sollen Planung, Bau und Betrieb großer Vorhaben besser verzahnen.
Abu Dhabi will dabei seine Erfahrungen mit integrierter Stadtplanung, koordinierter staatlicher Projektumsetzung und großvolumigen Infrastrukturprogrammen zeigen. Vorgestellt werden auch strukturierte Modelle für Public-Private-Partnerships. Über einen gemeinsamen Abu-Dhabi-Pavillon, hochrangige Gespräche, Vorträge und gezielte Branchendiskussionen sollen internationale Partner für mehr Qualität, Effizienz und langfristige Leistungsfähigkeit der Infrastrukturprojekte gewonnen werden.
InfrastructureNow als neue Drehscheibe
Die Wahl der Münchner Messe ist kein Zufall. Die EXPO REAL erweitert 2026 ihren Schwerpunkt um Infrastruktur; die neue Plattform „InfrastructureNow“ bringt Investoren, Finanzierer, Entwickler, Betreiber und öffentliche Entscheidungsträger zu Infrastrukturinvestitionen und Partnerschaften zusammen. Genau dort möchte die Delegation konkrete Kontakte zu Investoren, Entwicklern, Ingenieurunternehmen, Technologieanbietern und Bauunternehmen knüpfen.
Im Mittelpunkt stehen der Zugang zu Abu Dhabis Infrastrukturprojekten, engere Beziehungen zu europäischen Schwerpunktmärkten und neue Kooperationen mit dem Privatsektor entlang der gesamten Infrastruktur- und Bauprojektpipeline. Der Zeitpunkt folgt auf den Staatsbesuch des Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate, Scheich Mohamed bin Zayed Al Nahyan, in Deutschland im September 2026. Dabei wurden unter anderem Möglichkeiten für eine engere wirtschaftliche und entwicklungspolitische Zusammenarbeit erörtert.
Die Münchner Station baut auf dem Abu Dhabi Infrastructure Summit (ADIS) 2026 auf. Dort kamen mehr als 17.500 Teilnehmer, 650 Regierungsvertreter und VIPs sowie mehr als 100 Sprecher zusammen. Frühere Roadshow-Stationen lagen in Singapur, Shanghai und der Türkei. Bei diesen Veranstaltungen wurden mehrere strategische Vereinbarungen unterzeichnet und mehr als 30 ausgewählte Treffen in den Bereichen Bau, Ingenieurwesen, Technologie und Stadtentwicklung durchgeführt. Mit dem internationalen Programm erweitert ADPIC den jährlichen ADIS über den Summit hinaus und schafft weitere Möglichkeiten für internationale Organisationen, sich an Abu Dhabis Infrastrukturentwicklung zu beteiligen.
Partnerschaft mit PATRIZIA unterzeichnet
Wie ernst es Abu Dhabi mit der internationalen Öffnung ist, zeigte sich ebenfalls auf der EXPO REAL: ADPIC und der Real-Assets-Investmentmanager PATRIZIA vereinbarten eine strategische Partnerschaft für Infrastrukturinvestitionen und die Umsetzung von Projekten im Emirat. Unterzeichnet wurde die Vereinbarung während der internationalen Roadshow des Abu Dhabi Infrastructure Summit. Auf dem Dokument stehen die Namen von Maysarah Mahmoud Salim Eid, Generaldirektor von ADPIC, und Hassan Awada, Senior Executive Officer, MENA, bei PATRIZIA.
ADPIC koordiniert laut Branchenangaben die Planung, Governance und Umsetzung von rund 500 Kapitalprojekten mit einem Gesamtwert von mehr als 200 Milliarden AED beziehungsweise über 56 Milliarden US-Dollar. Das Programm umfasst neben Wohnungsbau, Verkehr, Kultur, Bildung und sozialer Infrastruktur auch städtische Systeme.
Vereinbart wurde ein Rahmen für den Austausch internationaler Expertise, die Prüfung einer stärkeren Beteiligung des Privatsektors an der Projektumsetzung und öffentlich-private Partnerschaften. Ebenso geht es um bewährte Verfahren bei Infrastrukturfinanzierung und -umsetzung sowie um mögliche Investitions- und Co-Investitionsmöglichkeiten. ADPIC und PATRIZIA wollen außerdem bei Marktanalysen, Benchmarking und technischen Studien zu Infrastrukturinvestitionen und Projektumsetzung zusammenarbeiten. Weitere Themen sind eine stärkere internationale Beteiligung, Wissensaustausch und der Zugang zu spezialisiertem Fachwissen in Abu Dhabi.
ADPIC-Generaldirektor Maysarah Mahmoud Salim Eid erklärte, internationale Erfahrung, Marktkenntnis und langfristiges Engagement seien für Abu Dhabis Infrastrukturprogramm wichtig. Die Partnerschaft solle private Beteiligung unterstützen, die Projektumsetzung stärken und langfristigen Wert schaffen.
PATRIZIA-CEO Asoka Wöhrmann sagte, Abu Dhabi habe sich als Zentrum für langfristige Investitionen und Infrastrukturentwicklung etabliert. PATRIZIA arbeitet nach eigenen Angaben seit 15 Jahren mit Kunden und Partnern im Emirat zusammen. Die Einrichtung einer dauerhaften Präsenz in Abu Dhabi unterstreiche die Bedeutung dieser Beziehungen.
Hassan Awada bezeichnete Abu Dhabi als wachsenden Markt für Infrastruktur- und Real-Assets-Investitionen und verwies auf die umfangreiche Projektpipeline sowie den Fokus des Emirats auf internationale Investitionen und Expertise. PATRIZIA hat nach eigenen Angaben kürzlich eine dauerhafte Präsenz im Abu Dhabi Global Market (ADGM) eingerichtet. Sie soll die Zusammenarbeit mit regionalen Investoren und Partnern und deren Anbindung an die internationale Real-Assets-Plattform von PATRIZIA stärken.
Die Vereinbarung gehört zur Strategie von PATRIZIA, die globale Real-Assets-Plattform mit gezieltem internationalem Wachstum in Märkten zu verbinden, in denen langfristige Kundenbeziehungen und einschlägige Investmentexpertise bestehen. In München rotierten derweil die Gespräche weiter – zwischen Bauplänen, Finanzierungsmodellen und der Frage, wie aus einer 56-Milliarden-Dollar-Pipeline belastbare Infrastruktur wird.
