Fehler auf deutschen Baustellen werden 2025 zum teuren Brocken: Eine Analyse von BauInfoConsult schätzt die Fehlerkosten der Bauwirtschaft auf rund 33 Milliarden Euro. Grundlage ist ein Anteil von 19,2 Prozent am Umsatz des Bauhauptgewerbes, der 2025 bei 171,9 Milliarden Euro lag. Rechnerisch geht es also um fast jeden fünften Euro.

Das Ergebnis fällt deutlich höher aus als bei früheren Erhebungen. Vor drei Jahren wurden 8,1 Prozent angesetzt; auch im Vergleich zu den vergangenen 15 Jahren liegt die aktuelle Branchenschätzung klar darüber. Befragt wurden Unternehmen aus dem Bauhauptgewerbe, Architekturbüros und Ausbaugewerken. Die Einschätzungen der verschiedenen Bereiche lagen weitgehend beieinander, wobei das Bauhauptgewerbe etwas mehr als 20 Prozent nannte, Architekturbüros und untersuchte Ausbaugewerke etwas weniger.

Zwischen Branche und eigenem Betrieb klafft eine Lücke

Bei den eigenen Projekten klingt die Lage deutlich weniger dramatisch. Die Befragten schätzten die Fehlerkosten ihrer Betriebe auf 6,2 Prozent der eigenen Kosten. 2023 waren es für eigene Projekte noch 15,9 Prozent. Die Unternehmen beurteilen ihre eigene Arbeit damit wesentlich positiver als die Branche insgesamt – und die Ergebnisse deuten auf Fortschritte beim Fehlermanagement einzelner Betriebe hin.

Ganz ohne regionale Unterschiede geht es allerdings nicht. Westdeutsche Unternehmen bewerteten die Fehlerkosten milder als Betriebe im Osten, Süden und Norden Deutschlands. Das galt sowohl für die Branche als auch für die eigenen Betriebe. Außerdem unterschieden sich die Werte je nach Gewerk.

Als mögliche Gründe für die höhere Fehleranfälligkeit der gesamten Branche nennt die Untersuchung den Fachkräftemangel, die stärkere Konzentration auf den Bestandssektor und die wachsende Zahl anspruchsvoller Arbeiten an bestehenden Gebäuden. Dämmung und Abdichtung gelten dabei als besonders fehleranfällig. Im Artikel werden zusätzlich mehr geplante Großprojekte im Tief- und Infrastrukturbau als möglicher Einflussfaktor genannt.

441 Stimmen für die Jahresanalyse

Für die Studie „Jahresanalyse Deutschland 2026/2027“ wurden laut den vorliegenden Angaben 441 Betriebe und Marktakteure befragt: 401 Interviews erfolgten telefonisch mit Bauunternehmen, Architekturbüros sowie Dachdecker-, Zimmerer-, Maler-, Trockenbau- und SHK-Betrieben. Dazu kamen 40 Online-Interviews mit Herstellern von Baustoffen und Installationsmaterialien. Die Befragten sollten die Fehlerkosten sowohl für die gesamte Branche als auch für den eigenen Betrieb einschätzen.

Übertragen auf den Umsatz des Bauhauptgewerbes von 171,9 Milliarden Euro im Jahr 2025 ergeben 19,2 Prozent rechnerisch rund 33 Milliarden Euro. Dieser Betrag liegt deutlich über der Vorerhebung für das Umsatzjahr 2022. Die Daten fließen in die genannte Jahresanalyse ein, die außerdem Hochbauprognosen, den Fachkräftemangel, nachhaltiges Bauen, Künstliche Intelligenz und digitales Bauen behandelt.

Und die Rahmenbedingungen bleiben beweglich: Im August 2026 stiegen die Baukosten erneut. Gleichzeitig melden die Unternehmen wieder mehr Personal – ein kleines Aufatmen, aber kein Grund, die Werkzeuge aus der Hand zu legen.

Mehr Beschäftigte, aber nicht automatisch weniger Druck

Nach der Baurezession von 1995 bis 2005 bauten die Bauunternehmen ihre Personal- und Maschinenkapazitäten zunächst vorsichtig auf. Ab 2010 stellten sie wieder verstärkt Beschäftigte ein. Von 2009 bis 2023 wuchs die Zahl der Beschäftigten im Bauhauptgewerbe um rund 500.000 Personen. Nach Abzug der Rentenabgänge blieb ein Plus von 222.000.

2024 wurde erstmals seit 2008 Personal abgebaut: um 1,2 Prozent beziehungsweise 11.500 Beschäftigte auf 916.000. Im Tiefbau nahm die Beschäftigung zu, im Hochbau ging sie zurück. Mit der höheren Baunachfrage 2025 drehte sich das Bild wieder; die Beschäftigtenzahl stieg um 6.600 Personen oder 0,7 Prozent auf 923.000. Für 2026 erwartet der HDB einen weiteren Anstieg um 10.000 Personen beziehungsweise 1 Prozent auf 933.000.

Auch die aktuelleren Zahlen zeigen Bewegung. Betriebe des Bauhauptgewerbes mit mindestens 20 Beschäftigten erhöhten ihren Personalbestand im ersten Halbjahr 2026 um 1,3 Prozent. Über alle Betriebe hinweg stieg die Beschäftigung in den ersten fünf Monaten um 1,5 Prozent. Im Wirtschaftszweig „Bau von Gebäuden“ gab es keinen Rückgang mehr, sondern Stagnation; 2025 hatte das Minus dort noch 1,5 Prozent betragen. Bei „Abbrucharbeiten und vorbereitenden Baustellenarbeiten“ wurden 4,3 Prozent mehr Beschäftigte gezählt, im Straßenbau 0,8 Prozent mehr.

Der zusätzliche Personalbedarf wurde laut Artikel aus der stillen Reserve gedeckt. Die Zahl der Arbeitslosen mit Berufen des Bauhauptgewerbes sank im ersten Halbjahr 2026 um 5,9 Prozent. Im Jahresdurchschnitt 2025 war sie um 3,9 Prozent auf 41.150 zurückgegangen, nachdem sie 2023 noch um 7,6 Prozent und 2024 um 5,4 Prozent gestiegen war.

Für einen nachhaltigen Kapazitätsaufbau brauchen die Unternehmen Vertrauen in eine stabile Baukonjunktur. Ausgeschiedene Fachkräfte lassen sich nur schwer zurückholen. Fehlen die Kapazitäten, könnten bei einer Erholung des Wohnungsbaus notwendige Wohnungen und Infrastrukturinvestitionen nicht vollständig umgesetzt werden.

Woher die Arbeitskräfte kommen

Ein Teil des Potenzials steckt bei den Arbeitslosen: Die Zahl der arbeitslosen Baufacharbeiter mit bauhauptgewerblichen Berufen sank von 70.000 im Jahr 2007 auf 17.240 im Jahr 2025. Bei arbeitslosen Bauingenieuren ging sie von 4.400 auf 2.710 zurück, bei Baufacharbeitern mit ausbaugewerblichen Berufen von 83.000 auf 33.360. Insgesamt stehen bis zu 50.600 Baufacharbeiter zur Verfügung, mit Helfern und Experten bis zu 117.000 Personen. Wegen Alters oder gesundheitlicher Einschränkungen sind allerdings nicht alle vermittelbar.

Auch Beschäftigte aus dem Verarbeitenden Gewerbe kommen als Wechselkandidaten infrage. Der Umsatz dieses Bereichs sank 2024 um 3,4 Prozent und 2025 um 1,4 Prozent. Die Beschäftigtenzahl ging 2024 um 0,5 Prozent beziehungsweise 26.550 Personen zurück, 2025 um 1,9 Prozent beziehungsweise 107.000. Im ersten Halbjahr 2026 folgte ein weiterer Rückgang um 2,5 Prozent beziehungsweise 134.150 Personen. Ein Teil dieser Menschen kann wegen Bauausbildungen oder verwandter Berufe in den Bau wechseln.

Bei der Nachwuchswerbung gab es ebenfalls Licht und Schatten. 2021 begannen 14.800 junge Menschen eine Tätigkeit im Bauhauptgewerbe einschließlich Angestellter – 34 Prozent oder 3.800 mehr als am Tiefpunkt 2005. Wegen konjunktureller und demografischer Faktoren schrumpfte der Zuwachs von 2022 bis 2024 auf 12 Prozent beziehungsweise 1.320 Personen. Ende 2024 gab es bundesweit 12.340 neue Ausbildungsverhältnisse in der Bauwirtschaft. Das lag unter den rund 19.800 Beschäftigten, die im selben Jahr in den Ruhestand gingen.

Die Zahl der Ausbildungsverhältnisse sank 2024 um 4,7 Prozent, zum dritten Mal in Folge. Laut Statistischem Bundesamt werden 40 Prozent der Ausbildungsverträge im Hoch- und Tiefbau vorzeitig beendet. Ende Dezember 2025 stieg die Zahl der Ausbildungsverhältnisse im ersten Lehrjahr gegenüber dem Vorjahr allerdings um 13,3 Prozent auf knapp 14.000.

Der Ausländeranteil im Bauhauptgewerbe kletterte von 8 Prozent im Jahr 2009 auf 25 Prozent im Jahr 2025; im Hochbau ohne Angestellte lag er bei 36 Prozent. Die Zahl der deutschen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sank zwischen 2009 und 2025 um 0,4 Prozent beziehungsweise 2.900 Personen, während die Zahl ausländischer Beschäftigter um 290 Prozent beziehungsweise knapp 160.000 stieg. Der Beschäftigungsaufbau wurde damit laut Artikel ausschließlich durch ausländische Fachkräfte ermöglicht.

Mehr Bauingenieure kommen inzwischen ebenfalls nach: 2024 stieg die Zahl der Absolventen eines Bauingenieurstudiums auf 10.458, gegenüber 4.680 im Jahr 2008. Nachunternehmen aus anderen EU-Mitgliedstaaten bleiben eine weitere Reserve. Die Zahl der entsandten Arbeitnehmer in Deutschland stieg von 51.240 im Jahr 2009 auf 107.000 im Jahr 2015, fiel aber bis 2025 auf 84.400. Der Rückgang wird mit dem Aufbau eigener Belegschaften in Verbindung gebracht; bei zusätzlichem Bedarf könnte die Zahl der Entsandten wieder steigen.

Kapazitäten brauchen Verlässlichkeit

Trotz konjunktureller Abschwächungen hielten oder erhöhten die Bauunternehmen ihre Belegschaften – mit der Ausnahme von 2024. In einer DIHK-Umfrage im Frühsommer 2026 wollten 10 Prozent der Unternehmen in den kommenden zwölf Monaten Personal einstellen, knapp 70 Prozent wollten den Bestand halten. In einer HDB-Umfrage rechneten 20 Prozent mit einem Personalaufbau, 57 Prozent wollten die Beschäftigtenzahl halten.

Das kann allerdings zulasten der berechneten Produktivität gehen, wenn die reale Produktion sinkt oder stagniert. Immerhin sank der Anteil der Bauunternehmen, die den Fachkräftemangel als Geschäftsrisiko nannten, laut DIHK auf 54 Prozent. Anfang 2019 hatte er noch bei 81 Prozent gelegen.

Als Hebel zur Senkung der Baukosten werden eine verlässliche Förderpolitik, weniger und einfachere Vorschriften, eine einheitliche Bundesbauordnung sowie eine Verstetigung der realen öffentlichen Bauinvestitionen genannt. Auf der Baustelle selbst bleibt derweil wenig Raum für Schlamperei: Ein falsch gesetztes Detail bei der Abdichtung sieht man manchmal erst, wenn der Regen längst durch ist.