Wurtenspeicher im Mölltal wächst zum Strompuffer: Strabag erhöht Kelag-Damm um sieben Meter
Auf rund 1.700 Metern Seehöhe wird im Mölltal schwer gebaut: Die Strabag erweitert im Auftrag der Kelag den Wurtenspeicher, einen zentralen Wasserspeicher der Kelag-Kraftwerksgruppe Fragant. Es geht dabei nicht um einen Neubau. Der Damm steht seit mehr als 50 Jahren und wird nun erhöht und saniert.
Der bestehende Steinschüttdamm wurde zwischen 1968 und 1971 errichtet. Bis 2026 sollen die Hauptbauarbeiten abgeschlossen sein; 2027 folgen Restarbeiten und Rekultivierungsmaßnahmen. Rund 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind auf der Baustelle beteiligt, die Arbeiten sind in sechs Baulose gegliedert.
Mehr Wasser hinter einem alten Damm
Der Damm wird um rund sieben Meter erhöht. Damit steigt das Stauziel um 8,5 Meter, während das Speichervolumen von 2,7 auf nahezu fünf Millionen Kubikmeter Wasser wächst. Die Investitionssumme für die Erweiterung beträgt rund 30 Millionen Euro.
Für die Erhöhung entsteht auf der Luftseite – also auf jener Seite, die vom Wasser abgewandt ist – ein zusätzlicher Stützkörper aus Schüttmaterial. Er gibt dem erhöhten Damm die nötige Standfestigkeit. Auf der Wasserseite wird die bestehende Asphaltoberflächendichtung nach oben verlängert. Diese durchgehende Asphaltschicht ist die eigentliche Barriere, die das Wasser im Becken hält. Der Steinkörper selbst dichtet bei einem Steinschüttdamm nicht ab.
Rund 230.000 Kubikmeter Schüttmaterial werden eingebaut. Es wird im Speicherraum an der Stauwurzel gewonnen und lagenweise in Schichten von etwa 80 Zentimetern aufgetragen. Jede Lage wird verdichtet und kontrolliert. Die Werte der Einbauverdichtung fließen in die Kollaudierung ein, also in die behördliche Abnahme des Bauwerks. Die sorgfältige Ausführung soll verhindern, dass sich selbst bei einem heftigen Gewitter Material aus der Anlage löst.
Bohrpfähle, leeres Becken und ein enger Fahrplan
Zu den Strabag-Arbeiten gehören außerdem der zentimetergenaue Einbau von 246 Bohrpfählen und die Sanierung bestehender Bauwerksstrukturen. Für bestimmte Bauabschnitte musste der Speichersee zweimal vollständig entleert werden. Kein kleiner Eingriff, wenn man bedenkt, welche Wassermengen hier normalerweise lagern.
Begonnen haben die Bauarbeiten im Frühjahr 2025. Die Baustelle läuft nun auf den Abschluss der Hauptarbeiten im Jahr 2026 zu. Danach stehen 2027 noch Restarbeiten und Rekultivierungsmaßnahmen an.
Parallel entstehen naturschutzfachliche Ausgleichsflächen im Umfang von rund 4,2 Hektar. Vorgesehen ist unter anderem ein mindestens 1.000 Quadratmeter großes Amphibienbiotop an der Stauwurzel. Weitere Ausgleichsflächen werden in Flattach und Friesach geschaffen.
Speicher für Strom, nicht nur für Wasser
Der Wurtenspeicher ist Teil einer deutlich größeren Infrastruktur: Die Kraftwerksgruppe Fragant umfasst 15 Speicher, rund 79 Kilometer Triebwasserwege und zehn Kraftwerke. Jährlich erzeugt sie rund 800 Millionen Kilowattstunden Strom – das entspricht dem Jahresbedarf von etwa 225.000 Haushalten.
Mit dem größeren Speichervolumen steigt der flexibel abrufbare Energieinhalt. Damit kann die Kelag Schwankungen zwischen Stromerzeugung und Strombedarf besser ausgleichen. Die zusätzlich speicherbare Energiemenge entspricht laut Kelag ungefähr zwei Millionen Haushaltsbatteriespeichern mit jeweils fünf Kilowattstunden Kapazität. Ein Vergleich, der die Dimensionen greifbarer macht: Hinter dem Damm geht es nicht bloß um mehr Wasser, sondern um Reserve für ein beweglicher werdendes Stromsystem.
Warum bei Stauanlagen genau hingeschaut wird
Für Stauanlagen und Talsperren gibt es in Österreich klare fachliche Leitplanken. Die Staubeckenkommission erstellt gemäß § 2 der Staubeckenkommissions-Verordnung 1985 grundsätzliche Gutachten zu allgemeinen Maßnahmen und Vorschriften für solche Bauwerke. Für große Stauanlagen hat sie verschiedene Richtlinien und Leitfäden beschlossen.
Als „kleine“ Stauanlagen gelten dabei Anlagen mit einer Bauwerkshöhe von weniger als 15 Metern und einer aufgestauten Wassermenge von weniger als 500.000 m³. Zu diesen kleinen Stauanlagen wurden mehrere Leitfäden veröffentlicht. Gemeinsam mit Vertretern der Bundesländer entstand außerdem ein Leitfaden für das wasserrechtliche Behördenverfahren bei Beschneiungsanlagen.
Für Beschneiungsspeicher und ähnlich aufgebaute Schüttdämme gibt es zudem einen Arbeitsbehelf zur Ermittlung der Breschenabflussganglinie und des Flutwellenablaufs. Er soll als Grundlage für die Einstufung des Gefährdungspotenzials solcher Stauanlagen dienen. Beim Wurtenspeicher sind deshalb nicht nur die großen Kubikmeterzahlen interessant, sondern auch die vielen Kontrollen, Schichten und Prüfwerte, die am Ende in den Bauwerksunterlagen landen.
